Friedrichshafen-Ailingen: Was als Versuchsprojekt vor sechs Jahren gestartet wurde, ist mittlerweile zur Dauereinrichtung geworden: In Ailingen, einem Ortsteil von Friedrichshafen, werden Senioren als Verkehrshelfer eingesetzt. Pünktlich zum Schulstart nach den Sommerferien traten sie wieder ihren Dienst an. Ein bislang einmaliges Projekt in Baden-Württemberg.
Für viele Ailinger Kinder führt der Schulweg über einen stark befahrenen Kreisverkehr. Damit sie sicher in die Schule kommen, stehen an den vier Fußgängerüberwegen rüstige Senioren als Verkehrshelfer bereit – pünktlich morgens zum Schulbeginn und mittags zum Schulende. Und dies bei Wind und Wetter.
Die Idee zur Einrichtung eines Lotsendienstes stammt aus dem Arbeitskreis Familie Ailingen. Im Ortschaftsrat stellte die Sprecherin des Arbeitskreises das Projekt im Jahr 2003 vor und bekam Unterstützung vom Seniorenrat zugesichert. Einige Personen musste der Vorsitzende schon ansprechen, aber schließlich fanden sich zehn Senioren und Seniorinnen, die den Versuch wagen wollten. Mit großem Erfolg, denn mittlerweile ist die Helferzahl auf 18 angewachsen, viele sind seit Jahren dabei und aus dem Versuch ist eine dauerhafte Einrichtung geworden.
Die Schulung der Verkehrshelfer übernimmt die Verkehrswacht Bodenseekreis. Ansprechpartner ist dort der pensionierte Polizeibeamte Wolfgang Eitz. In einem Ausbildungsprogramm werden die „Lotsen“ in Theorie und Praxis auf ihre Aufgaben vorbereitet. Bei den meisten Senioren handelt es sich um Führerscheininhaber und geübte Verkehrsteilnehmer. In einem Leitfaden und speziellen Beiblättern der deutschen Verkehrswacht sind alle wichtigen Punkte zusammengefasst. Besonderes Augenmerk gilt dabei den ABC-Schützen. Der Einsatz wird in einem Dienstplan geregelt und die Seniorenlotsen werden mit entsprechenden Schutzwesten und Kellen ausgestattet.
Der Dienst beginnt nach den Sommerferien und dauert etwa vier Wochen. Dann etwa, so die Erfahrung, „sitzt“ das richtige Verhalten am Zebrastreifen bei den Schülern. Weil in den Ferien doch manches wieder vergessen werde, nehmen die Verkehrshelfer nach den Herbst- und nach den Weihnachtsferien noch einmal für etwa eine Woche ihre Tätigkeit auf, damit sich die Kinder wieder langsam an den Verkehr gewöhnen können.
„Wir machen das schon deshalb, weil wir als Oma und Opa daran interessiert sind, dass die Kinder gut zur Schule und wieder Heim kommen“, begründen die Senioren ihr Engagement. Ganz unbelohnt bleibt die ehrenamtliche Tätigkeit nicht. Alljährlich gibt es regelmäßig ein Dankeschön von der Grund- und Hauptschule in Ailingen: Dann werden die Senioren-Schülerlotsen zu Kaffee und Kuchen eingeladen und dort mit einer Urkunde der Polizeidirektion Friedrichshafen geehrt.
