Kriminalstatistik 2008 für den Bodenseekreis
► Rückgang der Straftaten um 4,9 %
► Weitere Steigerung der Aufklärungsquote (61 %)
► Rohheitsdelikte (insbesondere Körperverletzungen)
auf hohem Vorjahresniveau
► Rückgang bei Sexualdelikten, beim Diebstahl sowie bei den
Vermögens- und Fälschungsdelikten
► Überproportional hoher Anteil von Jungtätern an gefährlicher oder
schwerer Körperverletzung sowie bei der Gewaltkriminalität
Allgemeine Kriminalitätsentwicklung
Die Gesamtzahl der Straftaten im Bodenseekreis ist vergangenes Jahr real um 4,9 % gesunken (der landesweite Rückgang betrug 3,2 %).
Damit mussten insgesamt 10.441 Delikte von der Schutz- und Kriminalpolizei bearbeitet werden.
Einhergehend mit diesem Rückgang hat auch die Häufigkeitszahl, welche die Kriminalitätsbelastung ausdrückt, von 5.334 auf 5.050 Straftaten je 100.000 Einwohner abgenommen. Zum Vergleich: die Häufigkeitszahl im Land Baden-Württemberg betrug im vergangenen Jahr 5.505 Straftaten.
Die Aufklärungsquote konnte zum zweiten Mal in Folge auf nunmehr 61 % gesteigert werden.
Der Rückgang der Straftaten ist auf gesunkene Fallzahlen in einigen Deliktsbereichen zurückzuführen, so bei den Sexualdelikten (87 Fälle, Vorjahr 148 Fälle), bei den Diebstahlsdelikten (3.944 Fälle, Vorjahr 4.251 Fälle) sowie bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten (1.700 Fälle, Vorjahr 1.948 Fälle).
Bei den Rohheitsdelikten (hier insbesondere im Bereich der Körperverletzungen) sowie bei den Sachbeschädigungen wurden die hohen Fallzahlen aus dem Vorjahr wieder erreicht oder noch leicht übertroffen. So betrugen die Zahlen bei den Rohheitsdelikten 1.301 Fälle (Vorjahr 1.279 Fälle), wobei die Körperverletzungsdelikte von 971 auf 952 im Berichtszeitraum zurückgingen. Die Sachbeschädigungen waren etwa auf Vorjahresniveau (1.453 Fälle, Vorjahr 1.452 Fälle).
Nicht gravierend war der Rückgang bei den Rauschgiftdelikten (519 Fälle, Vorjahr 556 Fälle).
Leicht angestiegen ist die Anzahl der Bedrohungen (170 Fälle, Vorjahr 157 Fälle).
Der im Jahr 2007 neu ins Strafgesetzbuch aufgenommene Paragraph „Nachstellen / Stalking“ wurde in der Statistik mit 52 Fällen erfasst (Vorjahr 31 Fälle).
Unerfreulich war die Entwicklung bei den Widerstandshandlungen gegen Vollstreckungsbeamte. Insgesamt mussten hier 52 Delikte bearbeitet werden (Vorjahr 44 Delikte), was einer Zunahme um 18,2 % gegenüber dem Vorjahrszeitraum entspricht.
Zu den 10.441 Straftaten wurden vergangenes Jahr 4.366 (4.606) Tatverdächtige (- 5,2 %) ermittelt, von denen 3.310 (3.412) männlichen und 1.056 (1.194) weiblichen Geschlechts waren.
Obwohl die Gesamtzahl der ermittelten Tatverdächtigen unter 21 Jahren (Kinder, Jugendliche, Heranwachsende) im Berichtszeitraum abgenommen hat (von 1.411 im Jahr 2007 auf 1.383) ist ihr Anteil an den Gesamttatverdächtigen von 30,6 % auf 31,7 % gestiegen.
In diesem Zusammenhang ist bedeutend, dass der Anteil der unter 21-Jährigen an der Gesamtbevölkerung im Bodenseekreis lediglich 25 % beträgt.
Erfreulicherweise war bei den Kindern ein Rückgang um fast 30 % zu verzeichnen (von 252 auf 182 Tatverdächtige). Bei Jugendlichen und Heranwachsenden gab es dagegen leichte Zuwächse.
Örtliche Kriminalitätsbrennpunkte
Die Orte mit der vergleichsweise höchsten Kriminalitätsrate am gesamten Straftatenaufkommen waren 2008 - wie auch schon in den Vorjahren – die Städte Friedrichshafen mit 4.106 Delikten (39,3 %) und Überlingen mit 1.708 Delikten (16,4 %).
Danach folgten Markdorf mit 699 Delikten (6,7 %), Tettnang mit 613 Delikten (5,9 %) sowie Meckenbeuren mit 471 Delikten (4,5 %).
Entwicklungen in den einzelnen Deliktsbereichen
Bei Straftaten gegen das Leben war die Polizei vergangenes Jahr bei insgesamt 9 Straftaten gegen das Leben gefordert. Darunter waren zwei Morddelikte (davon ein Versuch), fünf Totschlagsdelikte sowie zwei fahrlässige Tötungen.
Für Aufsehen hat vor allem der Überfall auf die Spielothek „Joker“ im Januar vergangenen Jahres gesorgt, bei dem ein Angestellter getötet wurde. Der Tatverdächtige konnte bereits kurz nach der Tat ermittelt werden.
Nachdem die Rohheitsdelikte, zu denen Raub, Freiheitsberaubung, Körperverletzung, Nötigung und Bedrohung zählen, im Jahr 2007 angestiegen waren, kam es 2008 zu einem weiteren kleinen Anstieg auf nunmehr 1.301 Fälle (Vorjahr 1.279). Diese Entwicklung ist bedeutsam, da in fast allen anderen Deliktsbereichen Rückgänge zu verzeichnen waren.
Die Aufklärungsquote in diesem Deliktsbereich konnte mit 91,3 % (90,5 %) auf sehr hohem Niveau gehalten werden.
Positiv zu bemerken ist, dass die Zahl der Körperverletzungen mit 952 (971) Fällen leicht rückläufig ist. Trotzdem verdeutlicht diese hohe Zahl die nach wie vor hohe Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft. Dieser Trend wird vor allem bei den Jungtätern deutlich, deren Anteil an den gefährlichen und schweren Körperverletzungsdelikten weiter gestiegen ist und nunmehr besorgniserregende 55 % beträgt. Nicht selten war dabei übermäßiger Alkoholkonsum Auslöser der Gewalt.
Dieser Entwicklung will Polizeichef Wolfsturm nicht nur mit repressiven Maßnahmen, sondern vor allem mit zielgerichteten Präventionsanstrengungen begegnen. Die mittlerweile in vielen Städten und Kommunen durchgeführten (Anti-) Gewaltpräventionswochen, die mit verschiedenen Partnern aus dem Bereich der Schule oder der Kommunen durchgeführt werden, sind nur ein Baustein dieser Bemühungen. Auch das viel diskutierte Positionspapier zur Weiterentwicklung der bestehenden Festkultur soll dazu beitragen, dem teilweise exzessiven Alkoholkonsum insbesondere junger Menschen Einhalt zu gebieten.
Dabei, so Wolfsturm, werden die Kontrollen des Jugendschutzteams sowie die bewährte Zusammenarbeit mit Festveranstaltern und Vereinen konsequent weitergeführt.
Erwähnt werden soll in diesem Zusammenhang auch das mit der Stadt Friedrichshafen, einigen Gastronomiebetrieben sowie der Polizeidirektion initiierte Projekt „FN – Aber sicher! Aktion Stressfreies Nightlife“, bei dem Störern ein überörtliches einjähriges Hausverbot für alle mitmachenden Betriebe ausgesprochen wird.
Die nach wie vor hohe Gewaltbereitschaft in unserem Kreis zeigt sich auch bei den Widerstandshandlungen gegen Vollstreckungsbeamte mit nunmehr 52 Delikten (Vorjahr 44 Delikte). Hier waren die unter 21-Jährigen mit einem Anteil von 32,7 % vertreten (Vorjahr 22,5 %).
Auch der im Jahr 2007 neu eingeführte Paragraph „Nachstellen / Stalking“ macht sich durch steigende Fallzahlen bemerkbar. Wurden 2007 noch 31 Fälle registriert waren es 2008 bereits 52 Fälle.
Die Zahl der Raubdelikte betrug wie im Vorjahr 40 Fälle. Überfälle auf Geldinstitute gab es 2008 keine. Gestiegen sind die Fallzahlen beim Handtaschenraub (7 Fälle, Vorjahr 1 Fall).
Bei der Straßenkriminalität (alle Straftaten, die auf der Straße begangen werden oder von dort ausgehen – Vergewaltigung, Exhibitionismus, Raub, Diebstahl, gefährliche und schwere Körperverletzung, Sachbeschädigung) registrierte die Polizei einen leichten Rückgang von 2.077 auf 2.016 Fälle. Mehr als die Hälfte der Tatverdächtigen waren Jungtäter (58,4 %). Insbesondere bei Körperverletzungsdelikten, die auf einem öffentlichen Platz stattgefunden haben, wurde eine deutliche Steigerung registriert. Hier stiegen die Fallzahlen von 28 auf 126 Fälle im Berichtszeitraum. Der Jungtäteranteil betrug hier fast 60 %.
Um gut 41 % (- 61 Fälle) sind im vergangenen Jahr die Sexualdelikte zurückgegangen. Wurden 2007 insgesamt 148 Straftaten angezeigt, waren es im Berichtszeitraum 87 Fälle.
Vergewaltigungstaten wurden der Polizei im Berichtszeitraum keine angezeigt. Gleichwohl dürfte die Dunkelziffer in diesem Bereich hoch sein.
Stark rückläufig waren die Ermittlungsverfahren wegen Besitz oder Versenden von kinderpornografischem Material. Hier wurden 10 Verfahren (Vorjahr 68) gezählt. Leicht rückläufig waren auch die Missbrauchsfälle an Kindern (16 Fälle, Vorjahr 21 Fälle).
Die Zahl der Sachbeschädigungen war im Jahr 2008 in etwa so hoch wie im Vorjahr (1.453 Fälle, Vorjahr 1.452 Fälle). Fast ein Drittel der Fälle waren Sachbeschädigungen an Kraftfahrzeugen (526 Fälle). Der sehr hohe Anteil an Jungtätern (55,3 %) bestätigt die oben gemachten Aussagen. Fehlendes Unrechtsbewusstsein sowie Spaß an der Zerstörung (Vandalismus) sind insbesondere bei den jüngeren Tätern oftmals Motivationsgründe für diese Taten.
Die Zahl der Beleidigungen hat von 437 auf 425 Fälle leicht abgenommen.
Die Rauschgiftdelikte sind von 556 auf 519 Delikte gefallen. Delikte wegen unerlaubtem Besitz oder Handel mit Cannabisprodukten stellten auch 2008 einen Schwerpunkt dar. 69 Verfahren wurden wegen illegaler Einfuhr von Cannabis eingeleitet (Vorjahr 13).
Verstöße mit Cannabis (Besitz und Handel) sind zu 36,2 % von Jungtätern begangen worden.
Im Jahr 2008 war im Bodenseekreis ein Rauschgifttoter zu beklagen (im Vorjahr waren es vier).
Auch bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten, die von 1.948 auf 1.700 Fälle um 12,7 % gefallen sind, war ein relativ hoher Rückgang zu verzeichnen. Rückläufige Zahlen gab es vor allem beim Betrug. Hier fielen die Fallzahlen von 1.541 auf nunmehr 1.252. Auffällig dabei waren wie im Vorjahr die Tankbetrügereien, von denen 144 Fälle (Vorjahr 104) bearbeitet werden mussten. Dies entspricht einem Anstieg um fast 40 %.
Warenbetrug im Zusammenhang mit Angeboten im Internet stieg von 78 auf 92 Fälle an. Die Betrugstaten mit rechtswidrig erlangten Scheck- oder Kreditkarten gingen von 104 auf 85 Fälle zurück. Auch beim Leistungskreditbetrug waren die Zahlen rückläufig (119 Fälle, Vorjahr 234 Fälle).
Steigende Zahlen gab es bei der Unterschlagung (136 Fälle, Vorjahr 122 Fälle), bei den Urkundenfälschungen (173 Fälle, Vorjahr 151 Fälle) sowie bei den Geld- oder Wertzeichenfälschungen (61 Fälle, Vorjahr 14 Fälle).
Die Wirtschaftskriminalität ist von 276 auf 82 Fälle gefallen. Ursache hierfür waren insbesondere rückläufige Insolvenzstraftaten.
Während die Zahl aller Diebstähle letztes Jahr gestiegen war, ist 2008 wieder ein Rückgang registriert worden. Die Zahl der Diebstähle fiel von 4.251 auf 3.944 Fälle in 2008. Stark rückläufig waren die Fallzahlen beim Fahrraddiebstahl (616 Fälle, Vorjahr 844 Fälle). Rückgänge gab es auch beim Kraftfahrzeugaufbruch (von 187 auf 123 Fälle).
Anders hingegen stellte sich die Entwicklung bei einfachen Diebstählen an Kraftfahrzeugen (Entwenden von Fahrzeugteilen, zum Beispiel Mercedesstern) dar. Hier gab es ebenso Zuwächse von 131 auf 199 Fälle wie beim Wohnungseinbruch von 144 auf 149 Fälle.
In etwa gleich hoch waren die Fallzahlen beim Ladendiebstahl. Hier gab es einen leichten Rückgang um 33 Fälle von 883 auf 850 Delikte.
Der Anteil an der Gesamtkriminalität beträgt 37,8 % (2004: 37,3 % / 2005: 40,6 % / 2006: 40,7 %, 2007: 38,7 %). Die Aufklärungsquote in diesem erfahrungsgemäß aufklärungsunfreundlichen Deliktsbereich betrug 39,9 % (Vorjahr: 36 %).
Ausländerkriminalität
Der Anteil der im Bodenseekreis wohnhaften Ausländer lag wie in den Vorjahren bei ca. 10 %. Im Berichtszeitraum entsprach die absolute Anzahl nichtdeutscher Tatverdächtiger mit 1.014 in etwa der des Vorjahres (1.004). Ihr Anteil an den Gesamttatverdächtigen war jedoch leicht ansteigend (von 21,8 % auf nunmehr 23,2 %).
Nicht außer Betracht bleiben darf hierbei, dass sich die nichtdeutsche Bevölkerung in der Alters-, Geschlechts- und Sozialstruktur von der deutschen Bevölkerung nach wie vor unterscheidet und Straftaten auch von Ausländern begangen wurden, die im Inland keinen Wohnsitz haben (Touristen, Grenzgänger, illegal Aufhältliche). Hinzu kommt, dass spezifische Deliktsformen wie Verstöße gegen das Ausländer- und Asylverfahrensgesetz von Deutschen nicht begangen werden können. Dabei wurde im Berichtszeitraum ein Ansteigen dieser Delikte von 93 auf nunmehr 144 Delikte registriert. 67 Anzeigen wurden wegen unerlaubter Einreise in das Bundesgebiet aufgenommen (Vorjahr 33 Anzeigen).
Jugendkriminalität / -delinquenz
Zu den 10.441 Straftaten wurden vergangenes Jahr 4.366 (4.606) Tatverdächtige (- 5,2 %) ermittelt, von denen 1.383 (182 Kinder, 683 Jugendliche und 518 Heranwachsende) unter 21 Jahren waren. Deren Anteil an den Gesamttatverdächtigen betrug damit nahezu 32 %.
Einen recht hohen Anteil mit genau 50 % haben die Jungtäter bei Raubdelikten. Bei den Körperverletzungsdelikten waren die Jungtäter mit einem Anteil von 36,7 % (Vorjahr 34 %) und bei den gefährlichen bzw. schweren Körperverletzungen sogar mit 54,7 % (Vorjahr 44,6 %) vertreten.
Die Zunahme der Körperverletzungsdelikte war in allen Altersgruppen zu beobachten: bei den Jugendlichen von 144 auf 153, bei den Heranwachsenden von 136 auf 138 sowie bei den Kindern von 18 auf 24.
Bei den schweren Diebstahlsdelikten betrug der Anteil der unter 21-Jährigen 41,1 %, beim einfachen Diebstahl, zu dem auch der (einfache) Ladendiebstahl zählt, 39,7 %. Insgesamt 295 (Vorjahr 376) Jungtäter (95 Kinder, 158 Jugendliche und 42 Heranwachsende) wurden 2008 wegen Ladendiebstahls angezeigt.
Der Anteil der Jungtäter beim Diebstahl an den Gesamttatverdächtigen beträgt 39,7 % (Vorjahr 46,8 %).
Hoch war der Anteil der Jungtäter auch bei den Urkundenfälschungen. Viele Jugendliche wissen nicht, dass Sie eine Straftat begehen, wenn sie den Personal- oder Schülerausweis fälschen, um Veranstaltungen besuchen zu können. Der Anteil betrug hier 60,3 %.
Bei Widerstandshandlungen gegen Vollstreckungsbeamte betrug der Anteil der Jungtäter erschreckende 32,7 %, wird hier doch ein hohes Maß an krimineller Energie verlangt, sich den Amtshandlungen der Beamten zu widersetzen.
Auch Sachbeschädigungen wurden von den unter 21-Jährigen überdurchschnittlich oft begangen. Hier betrug der Anteil an allen Tatverdächtigen 55,3 % (Vorjahr 60,1 %). Weitere Untergliederung: 27 Kinder (44), 108 Jugendliche (111) sowie 43 Heranwachsende (45).
Überproportional waren Jungtäter auch bei Erpressungen (86,7 %), beim Landfriedensbruch (nahezu 100 %), beim Vortäuschen einer Straftat (44,7 %) sowie bei der Brandstiftung (56 %) vertreten.
Bei der Straßen- und Gewaltkriminalität beträgt der Anteil 58,4 % (Vorjahr 54,8 %) bzw. 52,9 % (Vorjahr 45,9 %).
Während bei den nachfolgend skizzierten Deliktsbereichen die absolute Zahl der tatverdächtigen Kinder im Allgemeinen zurückging, stiegen die Tatverdächtigenzahlen bei Jugendlichen sowie Heranwachsenden. Dabei handelt es sich um Straftaten, bei denen Gewalt als Mittel zur Durchsetzung des Taterfolges angewandt wurde.
So wurden 2007 noch 19 Jugendliche und Heranwachsende wegen Raubes angezeigt, 2008 waren es bereits 24. Auch bei der schweren bzw. gefährlichen Körperverletzung gab es Steigerungen von 127 angezeigten Jugendlichen und Heranwachsenden i.J. 2007 zu 169 im Berichtsjahr. Ein ähnliches Bild beim Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte: hier war ein Anstieg von 9 i.J. 2007 auf 17 i.J. 2008 zu verzeichnen. Diese Entwicklung spiegelt sich bei der Gewaltkriminalität, bei der schwere Gewaltstraftaten zusammengefasst werden, wider: 146 Jugendliche und Heranwachsende wurden hier 2007 erfasst, 2008 waren es bereits 194.
Sowohl der Anteil der Jungtäter in Bezug zu allen Tatverdächtigen bei einigen schweren Straftaten wie auch die oben skizzierte Steigerung der Jugendlichen und Heranwachsenden bei Straftaten, bei denen Gewalt eine Rolle spielt, macht deutlich, dass weitere Anstrengungen nötig sind, um dieser Entwicklung zu begegnen.
Opfer von Straftaten
Im Bodenseekreis wurden im Jahr 2008 insgesamt 1.470 (1.556) Menschen, davon 916 (1.014) männlichen und 554 (542) weiblichen Geschlechts, Opfer von Straftaten.
Angaben über Opfer werden in der polizeilichen Kriminalstatistik nur bei bestimmten, unmittelbar gegen die körperliche Unversehrtheit gerichteten Straftatengruppen erfasst. Hierzu zählen Tötungsdelikte, Sexualstraftaten, Raub und Körperverletzungen sowie Freiheitsberaubung, Bedrohung und Nötigung. Aufgeschlüsselt nach Altersgruppen waren dies bei Kindern unter sechs Jahren 23 (24), bei Kindern zwischen 6 und 14 Jahren 85 (82), bei Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren 198 (211), bei Heranwachsenden zwischen 18 und 21 Jahren 228 (209), bei Erwachsenen zwischen 21 und 60 Jahren 836 (941) und bei Erwachsenen über 60 Jahren 96 (89) Opfer.
Politisch motivierte Kriminalität
Im zurückliegenden Jahr sind im Bodenseekreis 50 (Vorjahr 52) Straftaten im Bereich der politisch motivierten Kriminalität (Rechts-, Links- und Ausländerextremismus) registriert worden, von denen insgesamt 29 Delikte (58 %) aufgeklärt werden konnten.
Es handelte sich überwiegend um Propagandadelikte, Sachbeschädigungen, Körperverletzungen und Beleidigungen.
Den quantitativ größten Anteil nahmen die rechtsextremistischen Straftaten mit 43 (Vorjahr 34) Delikten ein, von denen 27 geklärt werden konnten. Dabei gestalten sich die Ermittlungen bei Propagandadelikten wie z.B. nächtlichen Farbschmierereien schwierig.
Im linksextremistischen Bereich wurden vergangenes Jahr 4 (Vorjahr 11) Straftaten festgestellt.
Bei von Ausländern begangenen extremistischen Straftaten musste 2008 kein Delikt (Vorjahr: 1) bearbeitet werden.
Insbesondere Einzelaktionen von Angehörigen der rechten Szene bereiten der Polizei immer wieder Sorge. Der Anstieg im rechtsextremistischen Bereich des vergangenen Jahres ist allerdings auch im Zusammenhang mit der Fußball-EM 2008 zu sehen. Erschwert wird die polizeiliche Arbeit durch das konspirative Vorgehen der Mitglieder.
Der Leiter der Polizeidirektion betonte, dass die Polizei auch künftig sehr sensibel auf die Aktivitäten gewaltbereiter Personen des rechten aber auch linken Lagers reagieren werde. Dabei gelte es konsequent und niederschwellig einzuschreiten.
Abschöpfung von Verbrechensgewinnen
Neben den üblichen Ermittlungsmaßnahmen hat sich - wie schon in den zurückliegenden Jahren - die Abschöpfung von Verbrechensgewinnen in laufenden Verfahren als unverzichtbares Instrument der Kriminalitätsbekämpfung erwiesen. So konnten von den Finanzermittlern in 25 (Vorjahr 38) Fällen Vermögenswerte in der Gesamthöhe von rund 432.000 Euro (Vorjahr 286.000 Euro) gesichert werden. Der Großteil der verfahrensintegrierten Finanzermittlungen lag im Bereich der Rauschgift- und Eigentumskriminalität. Darüber hinaus wurden von den Beamten in 21 (Vorjahr 34) Geldwäscheverdachtsfällen verfahrensunabhängige Finanzermittlungen geleistet.
Präventionsmaßnahmen
Gewaltpräventionswochen stellen mittlerweile einen Schwerpunkt in der Kriminalprävention dar. So konnten letztes Jahr nicht nur in den beiden großen Kreisstädten Friedrichshafen und Überlingen sondern auch im Bereich Salem und Tettnang Projektwochen zu diesem Thema stattfinden. Neben dem Aufzeigen von Konsequenzen delinquenten Verhaltens vor Schülerinnen und Schülern standen hierbei auch die Themen Mobbing, Zivilcourage sowie Gefahren in den neuen Medien im Vordergrund. Elternabende, Veranstaltungen weiterer Partner oder Demonstrationen in Zusammenarbeit mit den teilnehmenden Schulen rundeten die Projektwochen ab. Erwähnung finden soll in diesem Zusammenhang auch das mit der Stadt Friedrichshafen, einigen Gastronomiebetrieben sowie der Polizeidirektion initiierte Projekt „FN – Aber sicher! Aktion Stressfreies Nightlife“, bei dem Störern ein überörtliches Hausverbot für alle mitmachenden Betriebe ausgesprochen wird.
Neben der Suchtprävention in den Schulen, bei dem die Polizei erklärt, wie Drogen aussehen und wie sie wirken, geht es auch um die Wirkung von Drogen im Straßenverkehr. Speziell ausgebildete Beamte waren hier in weiterführenden Schulen unterwegs.
Auch beim Jugendschutz wurden mit der Verabschiedung des Positionspapiers in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt neue Wege beschritten. Dabei geht es darum, Jugendschutzbestimmungen konsequent zu beachten und für einen störungsfreien Ablauf einer Veranstaltung zu sorgen.
Verkehrsunterrichte bei den Kleinsten im Kindergarten sowie zu Schulbeginn in der Grundschule wurde durch die Beamtinnen der Verkehrserziehung geleistet. Auch die Radfahrausbildung bei den Schülerinnen und Schülern der 4. Klasse fand in speziellen Jugendverkehrsschulen statt.
Kontakte zu türkischen Vereinen und zur örtlichen Moschee in Friedrichshafen wurden weiter gepflegt bzw. ausgebaut. Dabei geht es der Polizei um einen vertrauensvollen Dialog zwischen türkischstämmigen Personen und der Polizei. Auch konnten einige Präventionsveranstaltungen an türkischen Einrichtungen durchgeführt werden.
Die Einbruchsberatung wurde von einem speziell ausgebildeten sicherungstechnischen Berater angeboten. Insgesamt nahmen vergangenes Jahr 410 Interessenten dieses Angebot in Anspruch und ließen sich vor Ort beraten.
Auch mit Opfern von Straftaten im sozialen Nahraum (Gewaltdelikte in Paarbeziehungen) nahmen die Beamten der Beratungsstelle Kontakt auf und informierten bei Bedarf über Möglichkeiten des besseren Schutzes vor Gewalttaten.
Mitarbeiter der Polizeidirektion waren auch an mehreren Projekten sowie Arbeitsgruppen des Landratsamtes beteiligt (u.a. Projekt MOBILE, Steuerungsgruppe Sucht, Arbeitsgruppe „Jugend und Alkohol“, Steuerungsgruppe „Bildung und Gesundheit“).
Weitere präventive Projekte, Aktionen und Vorträge:
- Mitwirkung bei der IBO-Messe (Thema: „Betrug“)
- Filmprojekt „Voll Speed – Das Risiko mit dem Rausch“ (Präventionslehrfilm zur Drogenproblematik, von der Landesstiftung gefördert)
- Informationsstand bei der Überlinger Baumesse zum Thema Einbruch- schutz
- Gewalt/Folgen von Gewalt (vorwiegend an Schulen/inkl. Elternabende, Teilnahme an GLKs, Runden Tischen, Gewaltpräventionswochen in Tettnang und Friedrichshafen etc.)
- Sex. Missbrauch (an Schulen, Kindergärten, inkl. Elternabende)
- Legale/Illegale Drogen inkl. Jugendschutz (an Schulen, vor Vereinen, inkl. Elternabende)
- Zahlreiche Vorträge bei Seniorenveranstaltungen
- Diebstahl: (Berufsschule, Einzelhandel)